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Home Atari, Mac und andere Computer Echt hart: iKey, USB-Tastatur für Mac Computerbesitzer sind Idioten
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 Atari, Mac und andere Computer

4.5 Was der Atarianer gesehen haben sollte...

 

 


Es gibt einige Sachen, die sollte jeder Atarianer irgendwann in seiner Laufbahn mal gesehen haben:

[JAW-Winner!]  Alle vier Programme sind so schlecht, daß die mit dem JAW ausgezeichnet wurden.

ST-BASIC

In der Frühzeit der Ataris gehörte nicht (wie später) Omikron-BASIC zum Lieferumfang der Computer, sondern ST-BASIC von Metacomco. Das war ein echter Knüller: ST-BASIC war langsam, absturzfreudig und das beste Beispiel, wie man ein Programm trotz GEM so verhunzen kann, daß es kein Mensch auch nur halbwegs vernünftig bedienen kann. »GEM kann vier Fenster gleichzeitig offen halten«, dachten die Entwickler, denn GEM konnte damals wirklich nur vier Fenster gleichzeitg offen halten, »also machen wir auf Biegen und Brechen auch vier Fenster auf.«

Man hatte also ein Editfenster, in dem man die Quelltexte eingab; ein Listfenster, in dem man bei Bedarf ein geordnetes Listing des gesamten Programms ausgeben konnte; ein Befehlsfenster, in dem man Befehle eingeben konnte, die sofort ausgeführt wurden; und ein RUN-Fenster (oder war es ein ERROR-Fenster, ich weiß es nicht mehr), in dem man dann das laufende Programm begutachten konnte -- wenn es denn überhaupt lief:

»GEM wirft so lustige Bomben aus, wenn der Rechner abschmiert«, dachten die Entwickler, »also unterstützen wir dieses Feature doch auch.« Also gaben sie sich jede erdenkliche Mühe, dass der der glückliche Anwender bei der Arbeit mit ST-BASIC immer wieder die lustigen Bomben betrachten konnte.

Bei einer Auflösung von 640 * 400 ist es im übrigen besonders komfortabel, wenn man gezwungen wird, zwischen vier Fenstern ständig hin- und herzuwechseln.

Aber ein Gutes hatte auch ST-BASIC: Drittanbieter wurden dazu ermutigt, bessere BASIC-Dialekte zu schreiben. Und so konnten Atarianer bald auf leistungsfähige Varianten wie GFA- oder Omikron-BASIC zurückgreifen.



WordPerfect

Weltweit auf verschiedenen Plattformen (DOS, Windows, Mac...) eines der meistverkauften Textverarbeitungsprogramme aller Zeiten, war WordPerfect für den Atari nie besonders gelungen, und man muß auch nicht lange nach den Ursachen suchen: Grafische Benutzeroberflächen waren in der »kompatiblen« Welt damals noch nicht sonderlich beliebt, sondern galten als »Spielerei für Analphabeten«. Nein, in einem professionellen Programm durfte man damals nicht einfach einen Menüpunkt anklicken oder in einer übersichtlichen Dialogbox die gewünschte Option ankreuzen, man mußte sich so sinnvolle Tastaturfolgen wie »CTRL-F5, 4, 2, 6« (kein Witz!) merken. Und so ist es nicht verwunderlich, daß die Programmierer der WordPerfect Corporation einfach noch keine Erfahrung mit grafischen Benutzeroberflächen hatten. Die Atari-Version wartete zwar mit Fenstern, Drop-Down-Menüs und Dialogboxen auf, aber die waren so hirnrissig strukturiert und ineinander verschachtelt, daß von einer komfortablem Mausbedienung keine Rede sein konnte.

Für die damalige Zeit war WordPerfect zwar ein Funktionsgigant, aber die Atari-User suchten etwas anderes, was die DOSler erst Jahre später begriffen: Ein komfortabel zu bedienendes, übersichtlich strukturiertes Programm. Das konnten die Bosse der WordPerfect Corporation nun wohl gar nicht nachvollziehen, denn sonst wäre die logische Konsequenz gewesen, eine überarbeitete Version, die diesen Ansprüchen gerecht wird, nachzuliefern. Statt dessen nahmen sie wahrscheinlich an, daß die Besitzer dieser Atari-Spielkiste einfach nichts mit einem ach so professionellen Programm anfangen konnten, und sie stellten die Weiterentwicklung der Atari-Version kurzerhand ein. Pech für sie: Wären sie auf dieser Plattform aktiv geblieben, so hätten sie vielleicht noch jahrelang über ein Marktsegment verfügt, in dem sie nicht von Microsoft »gekillt« worden sind.

Für den Atarianer ist WordPerfect also aus zwei Gründen so interessant:

  1. Es gab mal Atari-Programme von wirklich großen Softwarehäusern.
  2. Es war ein hübsches Lehrbeispiel, wie man die Benutzeroberflächen von Programmen möglichst nicht gestalten sollte.

Mal ehrlich: Bevor ich mit WordPerfect ernsthaft hätte arbeiten wollen, hätte ich mit Freuden andere Arbeiten verrichtet. Zum Beispiel aufräumen, den Müll entsorgen oder:


(Wenn hier keine Sound-Kontrolle sicht- oder benutzbar ist, versuche den Direktlink:)

Horch nur! Die angenehmere Arbeit
(WAV-Datei, ca. 21 KByte)
 


Diesen bösen Abschnitt über WordPerfect habe ich übrigens nicht extra für meine Website geschrieben, sondern schon vor Jahren in einer anderen Publikation veröffentlicht. WordPerfect hat sich grausam gerächt: Zuerst musste ich mehrere Jahre lang in meinem Studenten-Job mit der Windows-Version arbeiten. Und jetzt hat sich das Programm auch noch auf meinem Mac eingeschlichen: Ich brauchte für Zwecke, die niemanden interessieren, eine billige Mac-Textverarbeitung, und WordPerfect 3.5e Mac, mittlerweile unter Corel-Regie, kostete nur einen 24-MByte-Download.
Was kann ich sagen? Das Programm hat seinen Zweck einigermaßen gut erfüllt. Aber was den Punkt »komfortable Bedienung« angeht, kann sich WordPerfect immer noch 2349588 Scheiben bei papyrus abschneiden...
Diese Zahl habe ich mir nicht nur einfach ausgedacht. Wer errät, welchen tieferen Sinn sie hat, bekommt eine lobende Erwähnung auf dieser Site und einen Gutschein für einen interessanten Geschlechtsverkehr mit Laetitia Casta. Wie Ihr ihn einlöst, ist allerdings Euer Problem.



Atari-Breakout von 1992

Was macht man, wenn man einen neuen Computer vorstellt, der phantastische Möglichkeiten eröffnet? Zum Beispiel einen Rechner, der serienmäßig mit DSP und A/D-Wandlern ausgestattet ist; und das zu einem Zeitpunkt, wo derartige Zutaten noch äußerst rar sind? Einen Rechner, der das Potential hat, ebenso neue Märkte zu erschließen, wie es die MIDI-Schnittstellen im ST Mitte der 80er Jahre getan haben?

Offen gesagt, ich weiß auch nicht, wie man so einen Computer medienwirksam präsentiert. Ich weiß aber, was sicherlich keine gute Idee ist: Auf diesem Rechner einen neuen, schlicht gemachten Aufguß eines längst bekannten Spielprinzips vorzuführen.

So etwas macht ja auch keiner? Oh doch! Atari haben es vollbracht, bei der Vorstellung des Falcon030 eine Breakout-Variante vorzuführen. Und zwar nicht etwa eine Variante, die die gleichen Erweiterungen zu bieten haben wie andere -- herabfallende Bonussteine, umherfliegende Gegner usw. -- nein, ein ganz schlichtes »Krieg' den Ball und schieß die Mauer weg«-Breakout; welches aber immerhin, geradezu revolutionär, im Fenster lief. Das zeigt doch den Leuten, welche Power in dem Rechner steckt! Immerhin werden ganz tolle Samples abgespielt.

Dafür kann man dann ja auch auf dieses oder jenes verzichten: Selbst »Super Breakout« auf dem Atari 800 hatte mehr Funktionen zu bieten, und nebenher ist die 1992er-Variante noch so unsauber geschrieben, daß sie nicht einmal unter MagiC Mac läuft.

Herzlichen Glückwunsch!
Eine Erklärung für derartige Verhaltensweisen bietet eigentlich nur Die Tramiel-Theorie.

[s. unten] Unten gibt's noch was zu diesem Thema.



Club Drive (Jaguar-Version)

Der vermutlich größte Knüller, den Atari in ihrer gesamten Geschichte abgeliefert haben, ist das Rennspiel (falls man es so nennen darf) Club Drive für den Jaguar, die erste 64-Bit-Spielekonsole der Welt.

Seid Ihr Trash-Fans? Dann solltet Ihr Euch unbedingt mal Club Drive ansehen! Dieses Spiel gehört in die Sammlung jedes Jaguar-Besitzers -- sofern man nicht mehr als, sagen wir mal, 13 € dafür ausgegeben hat. Soviel ist der Lachflash auf jeden Fall wert.

Ein alter Witz funktioniert heute leider nicht mehr so ganz richtig: Versetzt Euch mal in das Jahr 1993 zurück. Die Konsole Nintendo SNES und Sega MegaDrive beherrschen den Markt. Den Sega Saturn gibt es noch nicht, ganz zu Schweigen von Sony Playstation und Nintendo64. 16 Bit ist der Standard.

Man erzählt einem Bekannten vom Atari Jaguar, von seinen phantastischen Grafik- und Soundeigenschaften. Von seinem 64-Bit-System. Man lädt ihn ein, um ihm dieses Wunderwerk der Technik vorzuführen. Als erstes legt man Club Drive ein, und dann achtet man ganz genau darauf, was der für ein Gesicht macht: Bricht er in höhnisches Gelächter aus, oder hat er diesen »Hat der Kerl sie nicht mehr alle«-Ausdruck?

Mal ehrlich, an Club Drive ist wirklich alles schlecht -- in jeder erdenklichen Hinsicht bricht das Spiel alle Negativ-Rekorde: Die Polygon-Grafik erinnert doch stark an längst vergangene Kindheitstage, in denen man mit Bauklötzchen gespielt hat. Die Sounduntermalung erinnert eher an eine brummende Stubenfliege als an die brüllenden Motoren PS-strotzender Rennboliden. Die Steuerung ist derart unpräzise, daß man sich in der Realität nicht mal trauen würde, mit so einem Wagen bis zum nächsten Zigarettenautomaten zu fahren. Kurz: Dieses Spiel muß man mal gesehen haben.

Und das Beste ist: Club Drive kostete genauso viel wie jedes andere, normale Jaguar-Spiel auch, und das hieß damals ca. 130 DM. Das grenzt schon fast an Betrug. Obwohl, andererseits: Wäre das Spiel nicht 1993, sondern 1985, und nicht für den Jaguar, sondern für den Atari 520ST erschienen -- es hätte sicherlich da und dort ein lobendes Wort geerntet. Aber so kam es dem Versuch gleich, Wing Commander I im Jahr 2000 als tolles Spiel für hochgerüstete PCs zu verkaufen.

Fraglich bleibt nur, wieviel Flaschen Wodka nötig waren, um Club Drive durch die firmeninterne Qualitätskontrolle zu schmuggeln...



Weitere Vorschläge für echte Highlights der Atari-Ära nehme ich gerne jederzeit entgegen (s. Kontakt).



Wer das liest, der hat nen Knall.
Beweise für die herausragende Qualität eines hypermodernen Spiels:
Oben ein Snapshot der höchst aufwendigen Grafik. Und Ihr könnt ein paar Kostproben der ultrageilen Sounds genießen:
 
Horch mal!   Breakout-Sounds, Teil 1 -- 17.1 KByte.
 
 
 
 
Horch mal!   Breakout-Sounds, Teil 2 -- 37.2 KByte.


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