Ist euch schon mal aufgefallen, dass scharfe Mädels (also Mädchen/Frauen,
die sehr erotische Kleidung tragen) in US-amerikanischen Filmen und Serien
grundsätzlich böse sind??
Die lieben Mädels hingegen ziehen sich immer ganz brav an...
Na gut, da muss man ein wenig differenzieren. Da gibt es einerseits die
Mädels in Serien und anderseits die Mädels in Filmen.
Mädels in Serien
Die lieben Mädels in US-Serien wie Beverly Hills oder Charmed
tragen ja auch schon oft recht erotische Kleidung -- aber eben nicht so richtig
scharfe: Ein fast durchsichtiges T-Shirt, aber eben nur ein T-Shirt -- das kann immer
noch ein »gutes« Mädel sein.
Ein knappes Minikleid, aber mit Blümchen verziert -- auch das ist immer noch im
grünen Bereich.
Aber ein schwarzes oder rotes Minikleid, dazu deutlich geschminkte Lippen, halterlose
Strümpfe und Fuck-me-Pumps? -- Ein böses Mädel!
Diese junge Dame wird unweigerlich im Verlauf der Sendung Leute hintergehen, umbringen
oder sonst etwas unangenehmes anstellen!
Ein sehr schönes Beispiel für diese merkwürdige Auffassung von Gut und
Böse findet sich in einer Folge der ansonsten sehr von mir geschätzten Serie
Charmed: Kaum ist Phoebe Halliwell alias Alyssa Milano von einem bösen Geiste
besessen, tritt sie in so scharfer Kleidung auf, dass sich der durchschnittlich-triebhafte
Mann in gefährlicher Nähe eines Hormonschocks wähnt...
Mädels in Filmen
In US-Filmen wird dieses Spielchen noch ein wenig weiter getrieben: Alle
Mädels, die in irgendeiner Weise erotisch gekleidet sind, sind böse. Die guten
Mädels tragen samt und sonders brave Klamotten.
Die bösen Mädels mutieren im Verlaufe des Films zu guten Mädels und
ziehen sich dann auch brav an (»Jawbreaker / Der zuckersüße Tod« und
tausend andere Filme), oder sie erhalten die gerechte Strafe für ihre Bosheit (also
ihre sexuelle Attraktivität), indem sie grausam niedergemeuchelt werden
(»Scream«, und tausend andere Filme).
Eine spezielle Untergruppe der bösen Mädels sind die
»Außenseiter«: Diese kleiden sich zwar nicht erotisch, aber anderweitig
auffällig, nämlich punkig bis gruftig; darüber hinaus haben sie
natürlich keine Freunde. Die Mädchen dieser Gruppe werden immer zu
lieben Mädels: Am Schluß haben sie Freunde und ziehen sich brav an. Das hat
schon der »Breakfast Club« vor schier unendlicher Zeit vorgemacht und zieht sich
seitdem wie ein roter Faden durch alle amerikanischen Filme, selbst wenn sie so
unterschiedlich sind wie »Beetlejuice« und »Faculty«.
Naja, was soll man auch von den Amis anderes erwarten?
Eine Gesellschaft, in der es durchaus akzeptabel erscheint, dass man einen Autoknacker
in Selbstjustiz über den Haufen ballert, aber ein Ehepaar zu ruinösen
Geldstrafen verknackt wird, weil sie im Garten Sex hatten, was von Nachbarblagen
beobachtet werden konnte? Der Nachbar, der das Ganze auf Video gefilmt hat --
selbstverständlich nur zu Beweiszwecken, höhö -- wird nicht mal als Spanner
verdächtigt...
Ein Land, in dem die Frauen auf dem Cover des Playboy ein Bikinioberteil tragen
müssen?
Was will ich mit diesem Kapitel eigentlich sagen?
Eigentlich nur, dass die Amis ein völlig gestörtes Verhältnis zur
Sexualtät haben, dass sie sexuell-selbstbewusste Frauen fürchten wie der Teufel
das Weihwasser, und dass sie nicht damit aufhören, diese Weltanschauung auch noch an
ihre Jugend weiter zu reichen...
Ganz nebenbei erreichen die Vorstellungen auch noch unsere Jugend, und plötzlich
keimt in mir ein gewisser Verdacht auf -- das versteht aber nur derjenige, der sich das letzte Kapitel
aufmerksam durchgelesen hat.
Nachtrag:
Das obige Kapitel ist schon etwas älter. Mittlerweile (Herbst 2001) habe ich
»American Pie« gesehen -- nein, nicht Teil 2 im Kino, sondern Teil 1 auf
Premiere World --, und da ist mir noch was aufgefallen:
Shannon Elizabeth spielt in diesem Film eine sexhungrige, sexbereite Schülerin --
also absolut »un-brav« nach US-amerikanischer Definition.
Wen wundert's, dass sie Nadja heißt und nicht nicht etwa Amerikanerin,
sondern Tschechin ist?
Damit ist sie nicht direkt böse, aber Europäerin und hat somit eine
gewisse »Narrenfreiheit«, gehört sie doch nicht dem sauberen
US-amerikanischen Volk an. Darüber hinaus bekommt auch sie natürlich die Strafe
für ihr schmutziges Verhalten: Sie muss die USA verlassen. Ein Exodus aus God's
Own Country, dem Land of the Free -- das kommt ja der Verstoßung aus dem
Paradies verdammt nahe.
Denken vermutlich zumindest die Amis.
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