Nun ist es geschafft.
Die vorerst letzte Big Brother-Staffel ist vorbei, und das Ende verlief nahezu unter
Ausschluß der Öffentlichkeit. Mochte sich Aleksandra Bechtel auch scharf
ausgeschnittene Oberteile anziehen -- hat nix gebracht. Und Meike aus dem BB-Nachtprogramm
durfte ob und zu sogar sagen, wie doof die Insassen sind und dem Zuschauer damit aus der
Seele sprechen -- hat auch nix gebracht.
Auch das eingesperrte Paar brachte nicht die Quote, die sich die Macher wohl erhofft
hatten, haben sie sich doch standhaft geweigert, vor laufender Kamera zu poppen. Statt
dessen haben sie sich ständig nur angezickt, so dass einem sogar die Lust verging,
sie überhaupt poppen zu sehen.
Was ist eigentlich schiefgelaufen?
Die Antwort ist ganz leicht und wurde von mir schon an anderer Stelle postuliert:
Programmverantwortliche gehören zu den Leuten, die von wirklich gar nichts eine
Ahnung haben.
Da entwickeln sie ein neues, erfolgreiches Format: Reality-TV. Aber anstatt sich darum
zu kümmern, daraus eine langfristige Erfolgsserie zu etablieren, pressen sie es in
kürzester Zeit soweit aus, dass selbst der widerstandsfähigste Zuschauer das
kalte Kotzen kriegt, wenn er bemerkt, dass es schon wieder eine neue Reality-Serie gibt.
Das »Inselduell« hat schon keinen interessiert, aber anstatt daraus zu
lernen, versuchen sie mit »Girls Camp«, die Leute wenigstens mit Titten vor die
Glotze zu locken. Aber diese Sendung konnte man nur ertragen, wenn man den Ton abgedreht
hat, und selbst das wird auf längere Zeit langweilig. Wenn man scharfe Mädels im
Bikini sehen will, muss man nur »The Grind« auf MTV gucken, da reden sie
wenigstens nicht.
Und was BB angeht: Hier wurden die Staffeln einfach viel zu schnell hintereinander
weggeschossen. Kaum waren die einen draußen, kamen die nächsten rein. Und die
Struktur der Sendung erzwingt es praktisch, dass die Kandidaten von mal zu mal furchtbarer
wurden. Am Ende stand ihnen quasi auf die Stirn geschrieben: »Ich bin ein
selbstverliebter Idiot, der mit BB mal schnell die dicke Kohle und seine 15 Minuten Ruhm
absahnen will.«
Kommen wir zur Eingangsfrage zurück: Was haben wir draus gelernt? --
Nichts. Zumindest für die Programmverantwortlichen trifft das zu.
Denn schon begehen sie den gleichen Fehler noch einmal, diesmal mit den
hundertdreiundachtzig mehr oder weniger abgewandelten Kopien von Jauchs »Wer wird
Millionär?« -- und wenn dabei auch noch so'n unsäglicher Mist wie »Der
Schwächste fliegt« rauskommt, wissen wir, dass es auch nicht mehr lange dauern
kann, bis sich kein Mensch mehr für Quizshows interessiert.
Aber tapfer machen die Programmverantwortlichen weiter, gerade so als ob sie das
Showgeschäft erst seit gestern kennen würden: Mit »Big Diet« bescheren
sie dem Realitiy-TV einen neuen, traurigen Höhepunkt der Niveaulosigkeit. Zu allem
Überfluss moderiert von Schreinemarkers, der Heulsuse mit der Knatschstimme.
Eine Wette gefällig?
Ich wette, »Big Diet« wird kein Erfolg. Wenn doch, schreibe ich an dieser
Stelle hundertmal den Satz: »Margarethe Schreinemarkers ist eine sympathische
Moderatorin mit einer angenehmen Stimme.«
Nachtrag, etliche Wochen später:
Da habe ich ja nochmal Glück gehabt. Oder, besser gesagt, wieder einmal Recht
behalten.
Big Diet ist kein Erfolg geworden. Und so bleibt mir das hundertfache Schreiben dieses
unschönen Satzes erspart.
|