Natürlich waren bei GIGA schon richtig coole Leute zu Gast, z.B. Lucy van Org
oder Jasmin Wagner oder Paola und Chiara. Aber dann hat man auch immer wieder richtige
Pappnasen, nicht selten aus der Kategorie »Jukebox Heroes of the week«; und am
allerliebsten habe ich da deutsche HipHop-Kerle.
Nichts gegen deutschen HipHop an sich! Da gibt es durchaus gute Bands. Aber ich
liiiebe diese verwöhnten Kiddies, aufgewachsen im deutschen Mittelstand, in
behütet-gutsituierten Verhältnissen, die dann auch mal so richtich
bööse Gangsta sein wollen.
Die jaulen dann Lieder über die miesen sozialen Verhältnisse (ja klar), in
denen sie leben. Na ja, man kann ihnen ja auch nicht so richtig böse sein deswegen,
schließlich wirkt die schmutzige Hochhaussiedlung, in denen sie ihr Video drehen, ja
auch cooler als ihr reales Zuhause, denn der Vorgarten eines Reihenhauses kommt irgendwie
nicht wirklich undergroundig rüber.
Und die Texte sind ja sowieso schon grottenschlecht, wie wären sie erst, wenn sie
tatsächlich über ihre realen Kindheitserlebnisse singen würden?
»Ich bin heut so mies drauf
denn meine Mutter hat keine Corn Flakes gekauft
so Eltern kannste echt vergessen
was soll ich denn jetzt zum Frühstück essen? ...«
... nee, wäre ja auch nix ...
Und dann der Müll, der ihnen aus dem Mund quillt, wenn sie bei Miri, Uta oder
Sumi auf dem Sofa sitzen!
Die scheinen der Meinung zu sein, dass sie tot umfallen, wenn sie nicht im jedem
zweiten Satz ein typische HipHop-Phrase vom Stapel lassen. Ganz wichtig ist es, dass man
Worte wie »Respekt« oder »auschecken« benutzt (nicht wie in »im
Hotel auschecken«, sondern »hey, check mal aus, wie cool ich bin«).
Der erste Satz im Lehrbuch »Wie werde ich ein echt cooler HipHop-Gangsta«
ist aber: »HipHop ist nicht nur eine Musik, HipHop ist eine Lebenseinstellung«!
Wenn ich diesen Satz auch nur noch EINMAL höre, kotze ich meinen ganzen Fernseher
voll!!
Da sitzen kleine Jungs, denen man gerade erlaubt hat, ein Automobil zu lenken, und die
wollen mir was von ihrer Lebenseinstellung erzählen! Vielleicht sollten sie ihre Nase
erstmal ins Leben stecken, bevor sie eine Einstellung dazu entwickeln.
Kein Wunder, dass dann so Sprüche dabei rauskommen wie: »Das ist 'ne
Lebenseinstellung, das werde ich machen, bis ich nicht mehr kann oder [Achtung:]
bis ich keine Lust mehr habe.«
Und dieser Satz ist WIRKLICH mal einem GIGA-Gast aus dem Mund geschwappt! Ehrlich! Der
Blitz soll mich beim Scheißen treffen, wenn ich lüge!
Cool, ne Lebenseinstellung, die er vertritt, bis er keine Lust mehr hat. Ich werde
heute vor dem Computer sitzen, bis ich keine Lust mehr habe. Vielleicht sollte ich
behaupten, vor-dem-Computer-sitzen wäre nicht nur eine Tätigkeit, sondern eine
Lebenseinstellung?
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