Der Apple Macintosh war der erste (kommerzielle) Computer mit einer grafischen
Benutzeroberfläche -- eine Segnung, für die wir noch heute dankbar sein sollten.
Hei, was haben die Mac-User und etwas später auch wir Atarianer in den 80ern
über die doofen DOSen-Fans gelacht, die doofe Kommandos eintippen mussten, nur um mal
eben eine Datei zu kopieren. Die Stunden mit dem Editieren von AUTOEXEC.BAT und CONFIG.SYS
verbrachten, um Systemeinstellungen zu ändern.
Dumm daran ist nur, dass sich bei den Maclern bis heute der feste Glaube hält,
das nur das gut, was man mit der Maus anklicken kann. Deshalb nimmt man die
Voreinstellungen eines Programms ja in entsprechenden Dialogboxen vor -- das ist ja auch
noch gut so. Aber dann werden die Einstellungen in einer »Preference«-Datei
gesichert, die man natürlich nicht mit einem Texteditor editieren kann. Pfui, da
käme irgend so ein dahergelaufener User ja hinterher noch auf die Idee, darin
rumzufummeln ...
Manchmal aber verschlucken sich die Programme mit ihrer Preference-Datei. Dann laufen
sie nicht mehr richtig, oder noch öfter: gar nicht.
Bei irgendwelchen Software-Problemen auf dem Mac lautet Tip Nr. 1: »Räum die
Schreibtischdatei auf« (was mir persönlich immer sehr wiederstrebt, denn ich
räume ja meinen realen Schreibtisch auch nicht auf); und Tip Nr. 2: »Lösche
die Preference-Datei des zickigen Programms.«
Dabei gehen natürlich sämtliche persönlichen Einstellungen verloren,
und das Programm startet wieder mit den Werkseinstellungen, die natürlich eh nie so
sind, wie man sie haben will.
Vielleicht gäbe es das Problem schon mal nicht, wenn die Preference-Dateien
einfach im ASCII-Format gehalten wären: Dass sich eine ASCII-Datei verschluckt, habe
ich höchst selten erlebt.
Und selbst wenn: Vielleicht könnte man sich die Datei ja mal ansehen, und dann
findet man eventuell sogar den Fehler und kann ihn von Hand beheben, ohne dass die
sonstigen Einstellungen flöten gehen. Und wenn das nicht klappt: Löschen kann
man die Datei anschließend ja immer noch ...
Viel schlimmer ist aber was anderes:
HTML-Dateien von Hand zu coden, scheint für Mac-User etwas ziemlich abwegiges zu
sein ... deshalb findet man auch keinen wirklich guten, umfangreichen HTML-Editor für
den Mac. Zumindest nicht zu einem vernünftigen Preis, wenn man dabei bedenkt, dass
die Windows-Freunde sowas als Freeware hinterher geschmissen bekommen.
Noch schlimmer wird es, wenn man dann auch noch PHP-Dateien coden möchte und
dafür ein vernünftiges Syntax-Coloring nützlich findet. Auch hier
können PCler aus diversen Freeware-Programmen auswählen; aber der Mac-User
findet da gerade mal BB Edit (kommerzielles Programm für etwa 300 Laschen) und Pepper
(Shareware, mit 45 US$ auch nicht gerade ein Schnäppchen - habe ich vor lauter
Verzweiflung trotzdem registriert).
Aber ich bin ja auch selbst schuld: Was hole ich mir auch einen Mac?
Wenn ich coden will, hätte ich mir ja ein System holen können, auf dem so
etwas nicht auf Unverständnis stößt.
Bleibt die Hoffnung, dass mit MacOS X endlich auch mal ein paar Mac-User merken, dass
es beizeiten gar nicht schlecht sein kann, nicht auf der Oberfläche, sondern im Code
zu werkeln.
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