Hardware im Kapitel von empfehlenswerter Macintosh-Software?
Was soll das?
Ganz einfach: Ich freue mich gerade so sehr über meine neue Tastatur, dass ich
einfach darüber schreiben muss. Aber ein Hardware-Kapitel habe ich noch
nicht, und das würde sich auch nicht lohnen; also bring ich's bei der Software unter.
Ganz einfach also.
Jetzt geht's aber auch los:
Früher, da hat Apple richtig gute Tastaturen gehabt. Zum Beispiel das
»Extended Keyboard« oder wie das hieß -- diese letzte ADB-Tastatur
für teurere Macs. Die war auf jeden Fall richtig gut.
Außerdem hat Apple auch ziemlich gute Tastaturen gehabt. Damit meine ich
die sog. »Apple Design« Tastatur, die völlig ungerechfertigerweise oft
gescholten wurde.
Ursprünglich war das Atari-Betriebssystem ziemlich vom MacOS geklaut, aber
irgendwann haben die Apple-Leute gedacht, dass sie endlich auch mal Sachen von den
Atari-Systemen abgucken könnten, und dann gab es endlich einen vernünftigen
Dateiauswahl-Dialog.
Und eine schlechte Tastatur.
Schlechte Tastaturen waren meistens ein besonderes Markenzeichen von Atari gewesen:
Die Ur-Version des Atari 800 hatte die beste Tastatur aller Atari-Rechner, die
jemals erschienen sind. Leider haben es Atari nie wieder geschafft, an diese Qualität
heranzukommen.
Danach hatten sie so grandiose Ideen wie die grauenhafte Schwabbeltastur des 520 ST
und 1040 ST; gerieten eine zeitlang auf einen Irrweg, indem sie den Mega ST, den TT und
den Mega STE mit recht vernünftigen (wenn teilweise auch wenig haltbaren) Tasten
ausstatteten; und kehrten mit dem Falcon zu den alten Tugenden der absolut unbrauchbaren
Tastaturen zurück.
Und als Apple den iMac vorstellten, kamen sie auf die wirklich gute Idee, den alten
ADB-Port durch USB zu ersetzen; und auf die wirklich schlechte Idee, jetzt mal eine so
richtig miserable Tastaturen anzuschließen.
Bei den ersten Apple-USB-Tastaturen gab es keinen separaten Cursorblock, nicht mal an
den sauteuren Profi-Macs. Das wurde später korrigiert, und dieses
»Apple Pro Keyboard« sah mit seinem transparenten Gehäuse wirklich schick
aus.
Jedenfalls die ersten zwei Wochen nach dem Rechnerkauf. Danach wusste man auch, warum
es bisher nie transparente Tastaturen gegeben hatte; nämlich um vor dem Anwender zu
verbergen, was sich so alles im Gehäuse einer Tastatur ansammelt. Das
»Apple Pro Keyboard« deckt dies schonunglos auf.
Was aber noch viel schlimmer ist: Das Schreibgefühl eines Apple Pro Keyboards ist
beinahe so furchtbar wie das des guten alten Atari 1040-STs. Nun war der 1040 wenigstens
als preiswerter Rechner konzipiert, und da konnte man noch verstehen, wenn an der Tastatur
gespart wurde.
Das »Apple Pro Keyboard« ist aber schweineteuer, und es ist erstaunlich, wie
es Apple geschafft haben, zu diesem Preis eine derart schlechte Qualität abzuliefern.
Womit ich endlich beim Thema wäre: Der Zeitpunkt, an dem ich dachte, dass mein
Mac nun eine neue Tastatur braucht. Nicht nur, dass ich mich etwa ein Jahr lang über
das miserable Schreibgefühl geärgert hatte. Nein, nach diesem Jahr (plus einigen
Monaten beim Vorbesitzer des Rechners) zeigte die Tastatur auch schon deutliche
Ausfallserscheinungen, indem einige Tasten hakten.
Also habe ich mich auf die Suche nach einer neuen Tastatur begeben. USB musste
sein, wenn ich nicht einen teuren Adapter dazu wollte. Mac-typische sollte es
sein, damit die Tastaturbeschriftung auch mit der realen Belegung übereinstimmt.
Und naja, nennt mich einen Idioten, aber ich wollte auch ein Design, das eher nach Mac
als nach PC aussieht.
Ich habe mich für die iKey von Macally entschieden.

Und ich will keine Reklame machen -- zumindest nicht, bis Macally Kohle
rüberwachsen lassen --, aber diese Entscheidung dürfte es problemlos in die, sagen wir mal,
Top Fifty der besten Entscheidungen meines Lebens schaffen.
(Ja, ich weiß: Das kann auch heißen, dass ich dazu neige, absolut
beschissene Entscheidungen treffe, so dass selbst eine mittelmäßige
Entscheidung in die Top 50 kommt ... aber ich meine eigentlich, dass die
Entscheidung so verdammt gut war!)
Die iKey ist nicht die beste Tastatur, an der ich jemals gesessen habe -- eigentlich
bevorzuge ich jene Tastaturen für Männer, deren Betätigung noch einen
richtigen Krafaufwand erfordert und die jeden erfolgreichen Tastendruck mit einem
schneidigen »Klack« bestätigen (»Kaaa-wuuusch« ist leider kein
gängiges Geräusch in der Tastaturbranche ); im Grunde genommen also IBM-Keyboards.
Aber derartige Tastaturen gibt's nun mal nicht für den Mac, doch die iKey ist
schon eine ordentliche Alternative: Man fühlt den Tastendruck, und ein
akkustisches Feedback gibt's auch -- ein sattes »Baatsch« und kein dürres
»Plitsch« wie beim Apple Pro Keyboard.
Genug der onomatopoetischen Ausführungen -- hier ein paar harte Fakten:
Das Layout entspricht dem Apple Extended Keyboard, inkl. einiger Unannehmlichkeiten
(€-Symbol auf der D-Taste aufgruckt, nicht bei E; @ ist nicht aufgedruckt). Weiterhin
fehlt mir der Apfel auf der Propellor-Taste (die man gerne auch Commandtaste
nennen darf).
(siehe auch unten: Aber ich brauche doch die Auswurftaste)
Fans des Apple Pro Keyboard dürften sich über die fehlenden Ton- und
Auswurftasten ärgern; Freunde der klassischen Apple-Tastaturen freuen sich über
die Resurrektion der Einschalttaste.
Raucher begrüßen es, dass das Gehäuse eher milchig und nicht
volltransparent ist, damit die sich ansammlende Asche nicht ganz so sichtbar ist.
Jetzt kommen wir zu der Stelle, an der PC-User immer vom Hocker fallen (also vorsicht,
liebe PC-User): Der Preis.
Für eine »ganz normale« -- damit meine ich: keine Internet-Sondertasten
oder so etwas --, wenn auch gute USB-Tastatur sind 55 € wohl kaum mehr als
»Schnäppchen« zu bezeichnen. Dennoch bin ich glücklich; was mal wieder
beweist, wie sehr wir Mac-User schon von Apples Hochpreispolitik konditioniert worden
sind.
Ich kann die iKey nur jedem Mac-User empfehlen.
Bleibt die Frage, warum Apple es nicht selbst schafft, ihre nicht gerade billigen
Rechner mit so miserablen Tasten auszustatten. Ich vermute, dass es ein paar alte
Atari-Mitarbeiter in die Hardware-Abteilung von Apple geschafft haben und dort ihr
liebgewonnenes Spielchen »Wir bauen über Jahre hinweg unbeirrt aller Kritiken
miese Tastaturen« fortsetzen.
Ein Freund von mir ist allerdings anderer Überzeugung: »Ich denke sowieso,
dass Apple der Ansicht ist, die User benötigen gar keine Tastatur und wenn dann schon
aus rein optischen Gründen und nicht zum tippen.«
Auch das will ich nicht völlig ausschließen ...
Nachtrag
In der Zeitschrift Maclife, Ausgabe 10/2002, wurden etliche Eingabegeräte
getestet. Das Apple Pro Keyboard ist demnach »zweifelsfrei das beste auf dem Markt
erhältliche Modell«, während die Tasten der Macally-Tastatur »nicht
von gleicher Qualität wie die der originalen Apple-Tastatur« sein sollen.
Es ist mir völlig schleierhaft, wie ein vernunftbegabter Mensch zu dieser
Einschätzung kommen mag. Was aber noch schlimmer ist: Außerdem werden noch
Mäuse getestet, u.a. die Macally iOptiNet, welche ich auch habe. Mit der kann man
zufrieden sein, auch wenn es bestimmt bessere Exemplare gibt. Aber was an dem Artikel
völlig daneben ist, da schreiben die doch tatsächlich:
»... für unseren Geschmack ist das Mauskabel ein wenig zu kurz ausgefallen
-- einige Desktop-Computer dürften zu weit von der Mausfläche entfernt
sein.«
Wie bitte?
Seit Anbeginn der Tage werden Mac-Mäuse an die Tastatur angeschlossen -- an die
Tastatur, nicht ans Rechnergehäuse! Leider sind die PC-Hersteller bis heute
nicht auf den Trichter gekommen, diese sinnvolle Idee zu kopieren. Meines Erachtens macht
diese Einrichtung kabellose Mäuse übrigens völlig überflüssig,
wenn (Achtung:) das Kabel nicht zu lang ist!
Ein kürzeres Kabel ist hier durchaus von Vorteil, weil ein kürzeres im
Gegensatz zum längeren gar nicht so viele Möglichkeiten hat, im Weg rumzuliegen
(und jetzt kommt ein richtiger Brüller): Länger ist nicht immer besser.
Hat ein Windows-User die Maus getestet?
Hat die Maclife-Redaktion den Text nicht nochmal durchgelesen?
Ich weiß es nicht. Aber so ein Schnitzer hätte ihnen nicht passieren
dürfen.
Und bevor jemand meckert: Ja, ich weiß -- seit USB kann man, wenn man will, auch
eine Mac-Maus direkt am Rechner anschließen.
Aber wieso sollte man? Nur, damit man den Nachteil genießen kann, den
Windows-Jünger schon immer hatten?
»Aber ich brauche doch die Auswurftaste!« ... so werden jetzt die
Besitzer jener Macs rufen, denen Apple keinen Auswurfknopf am Rechnergehäuse
spendiert hat, weil sie so jeden Computer ungefähr 2.7 Cent billiger verkaufen
können; und somit den User in die glückliche Lage versetzt, dass Laufwerk nicht
öffnen zu können, wenn keine CD drin liegt und der Tastatur genau diese dringend
benötigte Auswurftaste fehlt.
Na, soo dringend braucht man diese Taste nun auch wieder nicht.
Denn es gibt andere Lösungen: Für das klassische MacOS gibt es ein Programm
mit dem sinnvollen Namen Eject, das nur für einen Zweck da ist: Die Schublade
des Laufwerks zu öffnen, selbst wenn es leer ist. Man legt sich das Programm-Icon auf
den Desktop; oder noch besser: Man legt dieses Programm auf eine Funktionstaste, und schon
reicht wieder ein einfacher Tastendruck, um das Laufwerk zu öffnen.
Und das beste: Eject ist sogar Freeware, selbst wenn der gemeine Mac-Programmierer
dazu neigen, selbst für so kleine Tools eine Sharewaregebühr von US$ 15 zu
kassieren...
Eject ist zu finden unter:
www.turbozen.com/
Für MacOS X wurde mir folgendes berichtet: Unter
/System/Library/CoreServices/Menu Extras/ findet sich eine Datei namens
Eject.menu. Die kann man einfach in die Menüleiste ziehen (Entfernen oder
Ändern der Position geht mit Hilfe der Apfeltaste):
Nun hat man ein schmuckes Symbol im Menü, mit dem man auf Mausklick die
Laufwerksschublade öffnen kann.
Ihr seht also: Es geht auch ohne Auswurftaste...
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