Wer kennt sie nicht, die »gar traurige Geschichte mit dem Feuerzeug« aus
dem one and only Struwwelpeter? Der weltweit anerkannte Chef der oberschlauen
Psychologen, Prof. Dr. Dr. Tobias von&zu Jung, hat den
wahren Hintergrund dieser Geschichte herausgefunden: Es geht um Sex,
genauer gesagt: Um Masturbation.
Für alle, die die Geschichte doch noch nicht kennen, folgt
zunächst eine kurze Zusammenfassung:
Paulinchen ist also allein zu Haus (die Eltern sind beide aus), und
fröhlich, mit leichtem Sing und Sang hüpft sie durch die Wohnung
und freut sich ihres Lebens. Da plötzlich sieht sie ein Feuerzeug
auf Kommode stehen und denkt sich, dass sie mit dem Ding sicher jede Menge Spaß
haben wird.
Die Katzen warnen sie: »Miau! Mio! Laß steh'n! Sonst brennst du
lichterloh!«. Aber darauf hört Paulinchen nicht, und zündet sich
ein Hölzchen an (was ganz nebenbei darauf schließen läßt, dass
man damals unter einem Feuerzeug etwas anderes als heutzutage verstanden hat).
Dann freut sie sich über das flackernde Flämmchen, bis ihr rotes Kleid
Feuer fängt. Daraufhin freut sich Paulinchen nicht mehr, sondern muss statt dessen
kläglich verbrennen. Nur ein Häufchen Asche und ihre Schuhe bleiben
übrig, und die Katzen heulen und fragen sich, wo denn wohl wie armen Eltern
bleiben.
Selbstverständlich hat die Geschichte einen sexuellen Hintergrund.
Erste Hinweise sind schon das Vorhandensein der Katzen (die als Begleiter
von Hexen sowieso schon ein sündiges Image haben und auch gerne Muschi
genannt werden) sowie die Farbe des Kleides (rot, die Farbe der Sünde).
Dann das oben gezeigte Bild: Mit lustvollem Grinsen greift Paulinchen gierig nach
einem eindeutig phallusförmigen Gegenstand. Weiterhin bezeichnend ist, dass
es sich dabei um ein Feuerzeug handelt, denn das »Spiel mit dem Feuer«
als Synonym für das Heraufbeschwören von heiklen Situationen
ist eine schon damals bekannte Redewendung.
Die Puppe im unschuldig-blauen Kleid ist ein Symbol für die Tugend: Achtlos
und desinteressiert lässt Paulinchen sie herabhängen, und im nächsten Bild
(das hier leider nicht zu sehen ist) liegt sie gar auf dem Boden, bedenkenlos
weggeschleudert in der neu entdeckten Lust.
Hei, wie das Feuer hell und licht brennt, wie es lustig flackert und knistert!
Paulinchen springt mit ihm im Zimmer herum: Deutlicher kann
man ihre ekstatische Reaktion auf das (symbolische) Feuerzeug nicht darstellen!
Was uns die Geschichte eigentlich erzählen will, ist folgendes:
Paulinchen, unbeaufsichtigt von den Eltern, erfährt zum ersten Mal in ihrem
jungen Leben die Freuden der sexuellen Lust, der Masturbation! Das ist natürlich,
gerade in der damaligen Zeit und gerade bei Mädchen, eine schwere Sünde.
Und Sünden werden bestraft: Man wird in der Hölle schmoren, für
Zeit und Ewigkeit brennen, wie Paulinchen verbrennen muss.
Die Geschichte ist nichts anderes als eine Warnung an all die kleine Mädchen,
die sie vorgelesen bekommen: Hütet Euch davor, wie Paulinchen ein Opfer Eurer
verbotenen Lust zu werden! Spielt nicht dem dem Feuer! Oder, anders ausgedrückt:
Packt Euch bloß nicht in' Schritt!
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