Thematisch ähnlich gelagert:
Meine persönliche Computergeschichte
Insgesamt habe ich drei Atari-Computer, was daran liegt, daß ich es (fast) nie
über's Herz gebracht habe, einen ausrangierten Rechner zu verkaufen oder gar
wegzuschmeißen -- und das hat sich im Nachhinein sogar als vorteilhaft erwiesen.
Die (maus)graue Eminenz: Der Atari 1040 STFM
Im Jahre 1988 habe ich mir meinen ersten Atari-Computer gekauft. In der hiesigen
Vobis-Filiale (sic!) erwarb ich den 520STM -- mit 8 Mhz CPU-Takt ein für damalige
Zeiten recht schneller Rechner, mit 512 KByte RAM großzügig ausgestattet. Dazu
gab es den Monitor Atari SM124, den legendären Monochrom-Bildschirm mit einer
Auflösung von 640 * 400 in 71 Hz Bildwiederholfrequenz: Gerade der letzte Wert
ließ PC-Monitore alt aussehen. Und das alles mit einer grafischen
Benutzeroberfläche -- tja, Ihr PCler, tippt Ihr mal schön Kommandos am
DOS-Prompt ein.
Dieser Computer war der einzige, den ich je wieder verkauft habe, um mir Ende 1989 den
1040STFM leisten zu können: Ein ganzes MByte RAM, eingebautes
3.5«-Double-Density-Diskettenlaufwerk (zu dem man damals noch ungestraft
»Diskettenstation« sagen durfte) -- whooaaa, was für ein superkomfortabler
Rechner. PCler, erblaßt vor Neid!
Übrigens waren Atari-Computer damals allgegenwärtig: Atari-Händler
waren alle naselang zu finden; und selbst, wenn man sich in der Computerabteilung des
Kaufhauses umsah, fand man Atari-Hard- und Software, und noch besser: Die Verkäufer
kannten sich damit sogar ein bißchen aus und sahen einen bei der Frage nach
Atari-Produkten nicht an, als hätte man sie gefragt, ob sie auch gebratene Hermeline
verkaufen. Und wenn man gefragt wurde: »Was für einen Computer hast Du?«,
so war damit nicht gemeint, was für einen Pentium man sein eigen nennt, sondern ob
man einen PC, einen Amiga, vielleicht noch einen C64, oder eben einen Atari hatte. Gab man
sich dann als Atarianer zu erkennen, konnte man nicht selten mit seinem
Gesprächspartner über das gemeinsame System fachsimpeln. PC-User nickten oft
anerkennend: »Die Ataris sollen ja echt gut sein -- ein hervorragener s/w-Monitor,
schnelle 8 MHz Takt und dann diese komfortable grafische Benutzeroberfläche... ich
wünschte, mein PC könnte auch diese praktischen 3½-Zoll-Disketten
verarbeiten...«
Natürlich gab es auch damals schon Zweifler: Der »echte« PCler
verachtete die Spielkiste Atari -- richtig professionell war ja nur ein PC, wobei
Professionaltät anhand einiger stichhaltiger Kriterien gemessen wurde: Der hohe
Preis, den man für Software hätte zahlen müssen (wenn man die
entsprechenden Programme tatsächlich gekauft und nicht raubkopiert hätte); die
DOS-Oberfläche ohne grafische Elemente; und vor allem natürlich die Tatsache,
daß für PCs kaum vernünftige Spiele erhältlich waren --
schließlich benutzt der Profi seinen Computer zum Arbeiten, nicht zum Zocken. Das
hielt allerdings nicht lange an. Die PCs wurden billiger, besser und mit einer grafischen
Oberfläche ausgestattet. Und schon wieder war mein Atari nichts im Gegensatz zu den
tollen PCs: »GEM ist natürlich nicht so professionell wie Windows. Und
überhaupt: Für den Atari kommen ja gar keine Spiele mehr auf den Markt. Mit
einem PC ist man da eindeutig besser dran.« Und an das Argument, das DOS-User immer
gegen den Mac vorgebracht hatten: »So eine Oberfläche frißt ja nur
Rechenzeit, und schließlich kommt es auf einen möglichst schnellen Rechner
an« konnte sich plötzlich auch niemand mehr erinnern...
Herrje, ich schweife ab. Also, der 1040STFM wurde im Laufe der Jahre erweitert: Erst
bekam er 2.5 MByte, dann 4 MByte RAM. Eine Festplatte wurde angeschlossen: Mann, fette
52 MByte, da kommt man ja Jahre mit aus. Interessanterweise kam übrigens
wirklich Jahre damit aus.
Irgendwann genügte der 1040 aber trotz allem nicht mehr meinen Ansprüchen:
Ein neuer Rechner mußte her.
Der Exot: Der Atari Falcon 030
1994 habe ich mir den Falcon gekauft. Ein richtungsweisender Computer. Leider konnte
der Falcon noch so heftig richtungsweisen, hingeschaut hat keiner.
Das lag meiner Meinung nach zwar hauptsächlich an der Firma Atari (s. Die
Tramiel-Theorie), aber das macht die Sache auch nicht besser. Mal ehrlich: Welcher PC hat
damals einen DSP zu bieten, oder A/D-Wandler? Welcher Computer war serienmäßig
Harddisk-Recording-fähig? Außer dem Falcon wohl keiner.
Gut, mit seinen 16 MHz Takt war er nicht gerade schnell; aber immerhin konnte er mit
einer kleinen Erweiterung auf 32 MHz aufgepumpt werden. Gut, eine Grafikauflösung von
640 * 480 in 60 Hz waren auch damals nicht mehr der Stand der Dinge, aber immerhin konnte
er mit einer kleinen (externen!) Erweiterung bspw. auf 800 * 600 in 70 Hz aufgepumpt
werden. Gut, in 256 Farben war er elendiglich langsam, so daß man eigentlich nur in
16 Farben arbeiten konnte, aber... Okay, okay, hier fällt mir kein
»aber« ein. 16 Farben, das war auch damals nicht gerade der Bringer, aber mir
hat's gereicht. Außerdem: Wenn ich mir Titten-GIFs in 256 Farben angucken wollte,
habe ich im 16-Farben-Modus ein Programm gestartet, das hat mal eben in den
256-Farben-Modus geschaltet, das Bild angezeigt und beim Beenden wieder auf 16 Farben
zurückgeschaltet. Habt Ihr das damals mit einem PC machen können? -- Na bitte!
Im Laufe meiner Falcon-Zeit entdeckte ich dann das Multitasking -- damit ist
natürlich gemeint, daß ich als Anwender Mutitasking entdeckte; nicht,
daß ich der Erfinder der Multitasking bin -- was allerdings auch einige Probleme mit
sich brachte: Ataris Multitasking-Betriebssystem MultiTOS war langsam,
speicherfressend und recht absturzfreudig. Wie schön war da, daß die deutsche
Firma Application Systems Heidelberg (ASH) ein Atari-kompatibles
Multitasking-Betriebssystem namens MagiC in Petto hatten: Jetzt konnte ich auch
auf dem Falcon schnell, betriebssicher und komfortabel multitasken.
Leider hatte die recht eigenwillige Hardware des Falcon so ihre Probleme mit MagiC
(oder umgekehrt, darüber streiten noch heute die Gelehrten), so daß ich nach
dem Einschalten oft minutenlang immer wieder neu booten mußte, bis MagiC endlich
lief. Wenn es einmal lief, ging es auch recht problemlos.
Trotzdem war das natürlich nervig. »Vielleicht klappt's ja mit dem
nächsten Atari-Computer besser«, dachte ich; aber leider war der Falcon der
letzte Computer, den Atari hergestellt haben. Überhaupt waren im Laufe von drei
Jahren meine Ansprüche mal wieder gestiegen -- wie das halt immer so ist in der
Computerwelt -- und folgerichtig habe ich mir Anfang 1997 dann den nächsten Computer
gekauft.
Trotzdem war der Falcon weiterhin im Einsatz -- bis er am 26.7.2000 völlig ohne
Vorwarnung nicht mehr hochfuhr. Sang- und klanglos hatte sich dieser einstmals innovative
Rechner von mir verabschiedet.
Ein harter Schlag!
Der getarnte Ataricomputer: Der PowerMac 4400
Seit 1997 habe ich also einen Apple PowerMacintosh 4400/160. Bin ich also nun zum
Apple-Jünger mutiert? -- Nein. Denn ich habe MagiC Mac.
Das o.g. Atari-kompatible Betriebssystem wurde nämlich auf den Mac portiert. Hier
startet man es wie ein ganz normales Programm, und schon kann man mit ganz normalen
Atari-Programmen arbeiten, die so ganz gutgäubig annehmen, sie würden auf einem
echten Atari laufen. Na gut, manche Atari-Programme laufen dann doch nicht. Vor allem
keine Spiele. Naja -- das ist ein bißchen schade, aber zum Spielen setze ich mich
eigentlich sowieso lieber an die Playstation. Anwendungsprogramme hingegen, die unter
MagiC Mac nicht laufen, kann man i.d.R. sowieso so ziemlich vergessen, weil sie unsauber
geschrieben sind.
Aber alle Programme, die tatsächlich unter MagiCMac laufen -- und das tun alle
modernen, vernünftigen Programme -- arbeiten so selbst auf dem mittlerweile recht
betagten PowerMac 4400 so fix, wie man es nicht für möglich halten würde.
Moderne Mac-Programme laufen mittlerweile auf diesem Rechner etwas zäh, aber bei den
Atari-Programmen hat man eigentlich keinen Grund zu klagen.
»Mag ja sein«, spricht da der überzeugte Windows- oder Mac-Jünger,
»aber Atari gibt's doch nicht mehr? Wer will denn schon noch mit Programmen arbeiten,
die zig Jahre alt sind?« Und wieder mal liegt er falsch. Denn die Atari-Programme
sind nicht uralt. Doch zur Software kommen wir im nächsten Kapitel.
Der richtige Mac: PowerMac G4/466
Seit dem 2.8.2001 ist mein Hauptcomputer ein PowerMac G4/466. Er unterscheidet sich
direkt in mehreren Punkten von meinen bisherigen Rechnern:
- Es ist der erste Computer, den ich im Sommer gekauft habe. Das ist allerdings kein
bedeutsamer Unterschied, wie ich zugeben muss.
- Es ist der erste Computer, den ich gebraucht gekauft (oder vielmehr bei eBay
ersteigert) habe. Die anderen waren alle neu.
- Es ist der erste Computer, der kein Atari ist.
»Moment mal«, ruft Ihr jetzt, »der letzte Rechner war doch schon ein
Apple!«
Ja.
Nein.
Nicht direkt.
Nicht umsonst läuft der PowerMac 4400 hier unter der Bezeichnung »getarnter
Ataricomputer«.
Den 4400 habe ich gekauft, weil ich einen neunen, schnelleren Atari haben wollte. Da
es keinen echten Atari gab, der diesen Ansprüchen gerecht wurde, habe ich halt zur
besten Alternative gegriffen: Ein Mac mit MagiCMac.
Nicht umsonst hatte ich damals MagiCMac schon ein paar Tage vor der Anschaffung des
Mac gekauft: Er sollte sofort in einen Atari-kompatiblem verwandelt werden.
Den G4 habe ich mir gekauft, weil ich einen neuen Mac wollte: Die Mac-Programme, mit
denen ich so arbeite, waren auf dem 4400 nicht vernünftig zu gebrauchen. Oder ich
wollte mit ihnen arbeiten, aber sie liefen gar nicht erst.
Der 4400 sollte also ein besserer Atari sein.
Der G4 sollte ein besserer Mac sein.
Bin ich also jetzt zum Apple-Jünger mutiert?
Nicht wirklich. Denn ich arbeite weiterhin mit so einigem Atari-Kram. Aber der Anteil
ist zurückgegangen.
Aber immerhin habe ich immer noch einige Kritikpunkte am Mac und/oder an Apples
Philosophie zu vermelden, die ein echter Apple-Jünger wohl nicht äußerst.
Denke ich zumindest.
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