Neben dem im letzten Kapitel genannten Ärgernis des OSD gibt es eine weitere Technik, die
angeblich unser Leben vereinfachen und schöner machen soll, aber in Wahrheit
nur für weiteren Ärger sorgt:
VPS, das Video Programing System.
Es klingt so schön:
Ich programmiere eine Sendung mit VPS ein, und sie wird genau von Anfang bis Ende
aufgenommen. Ohne das Ende der vorhergehenden Sendung oder den Anfang der folgenden. Ohne
das Ende der gewünschten Sendung abzuschneiden, wenn sie zu spät begonnen hat.
Super!
Klappt nur nicht.
Das VPS-Signal, das dem Recorder mitteilen soll, wann er eine Aufnahme zu beginnen
oder zu beenden hat, kommt nämlich ein wenig später, so dass der Anfang dann
eben doch fehlt.
Macht ja nix, die Anfangsszenen sind ja eh meistens langweilig.
Bei Filmen von Sergio Leone beispielweise dauert es eh etliche Minuten, bis das erste
Wort gesprochen wird. Wen interessiert bei »Spiel mir das Lied vom Tod« denn
schon diese endlos lange Bahnhofsszene?
Es kann allerdings auch sein, dass das VPS-Signal zu früh kommt -- wenn der nette
Sender uns daran erinnern will, dass er in den nächsten Tagen noch ganz tolle andere
Filme ausstrahlt; vielleicht »Ein Mutterherz darf niemals weinen«, oder
»Das Schicksal gepeinigter Jungfrauen« oder so.
Filme, auf die man im Leben nicht verzichten will.
Eine weitere Möglichkeit ist es, dass das VPS-Signal zu früh abgeschaltet
wird, damit man mit Spannung die nächste Austrahlung erwarten (in der Regel
spätestens in drei Monaten) und so lange noch rätseln darf, wie der Film denn
wohl zuende geht. Oder weil uns der Sender davon abhalten will, eine endlose Dummheit zu
begehen, indem man die in der letzten Unterbrechung beworbene Kaufcassette des gleichen
Films nicht bestellt -- dann wird die Aufnahme direkt nach dieser Unterbrechung
beendet.
So eine Kaufcassette ist ja auch viel schöner, und die Leercassette kann man dann
ja für die wirklich wichtigen Filme wiederverwenden (wie die o.g. Mutterherzen und
Jungfrauen).
Das alles passiert natürlich nicht aufgrund von technischen Pannen oder
menschlichem Versagen.
Nein, dahinter steckt wieder einmal der BAD -- VPS wiegt uns in Sicherheit: »Auf
der Cassette sind noch 124 Minuten frei, und der Film dauert 121 Minuten ... Super, mit
VPS passt das ja gerade noch.« (Ohne VPS braucht man sowas gar nicht erst zu
versuchen, da man immer Zeit zugeben muss. Mindestens 5 Minuten.)
Auch VPS kann den schönsten Familienkrach verursachen: Wenn der Mann für
seine Frau »Dr Stefan Frank, der Arzt, dem die Frauen vertrauten« aufnehmen
will, oder die Frau für ihren Mann XYX [denk was aus].
Eine unvollständige Aufnahme wird natürlich dem Unvermögen des Partners
zugeschrieben. Und ZACK! hängt der Haussegen schief.
Und der BAD lacht sich ins Fäustchen.
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