Vorbemerkung Nr. 1: Hier geht es nur um PostScript-Type1-Fonts, die mit Hilfe von NVDI
in das Atari-System eingebunden werden. SpeedoGDOS wird nicht berücksichtigt: Erstens
habe ich das nicht, zweitens ist es sowieso ein Witz gegen NVDI. Nicht-Atarianer werden
sich in diesem Kapitel ohnehin nur langweilen.
Vorbemerkung Nr. 2: Ich kann's nicht ändern, hier wird's ein klein bisschen
kompliziert, das liegt an der Materie. Ich empfehle diesen Abschnitt also nur den
Atarianern, die mit Type1-Fonts unter NVDI arbeiten (wollen) und Probleme vermeiden
möchten.
Folgende Themen werden auf dieser Seite behandelt:
Einleitende Worte
Qualität auf Bildschirm und Drucker
Kerningpaare, afm-Dateien und NVDI.FIF
Mac-Type1-Fonts, MagiCMac und NVDI
Einleitende Worte
Zunächst müssen aber ein paar grundsätzliche Dinge über
Type1-Fonts gesagt werden, damit der Rest verständlich ist.
Erstmal erinnere ich daran, dass es auch Type1-Fonts in zwei sog.
»Darstellungen« gibt: 1. Für Macintosh; 2. für Windows. Besitzer von
Original-Ataris oder Clones sowie Emulatoren auf WinPCs benötigen die
Windows-Darstellung; der MagiCMac-Atarianer kann sich für eine entscheiden -- Fonts
in der Mac-Darstellung werden in der MacOS-Umgebung installiert, Fonts in der
Windows-Darstellung finden ihr zuhause in der MagiC-Umgebung.
Desweiteren ist es wichtig zu wissen, dass ein Type1-Font stets aus zwei
Dateien besteht -- zumindest sollte er das, wenn man ihn vernünftig benutzen
will: Da gibt es zum einen die eigentliche Fontdatei mit dem Suffix .pfb, also
z.B. SYNTAX.PFB. Dazu gehört immer eine gleichnamige Datei mit dem
Suffix .afm ODER .pfm -- das ist die sog. Fontmetrik-Datei, sie
enthält u.a. die für guten Drucksatz unerläßlichen
Kerninginformationen. Mehr über das Verhältnis von Fontdatei und Fontmetrikdatei
erfahrt Ihr unten.
Hallo MagiCMac-User: Prinzipiell braucht Ihr für die im MacOS
installierten Type1-Fonts keine Fontmetrikdatei -- hier sind die benötigten
Informationen bereits im Resourcefork der Fontdatei enthalten. Das gilt aber nur für
die Verwendung dieser Fonts in Mac-Programmen; für Atari-Programme braucht Ihr sie
trotzdem. Auch hier verweise ich auf die genaueren Informationen weiter unten.
So, nun geht's aber los:
Bei der Verwendung von Type1-Fonts auf dem Atari und mit Hilfe von NVDI 5 (bzw. NVDI 4
plus Type1-Modul) muss man einige Punkte beachten, die man leider nicht in der Anleitung
nachlesen kann. Schade, das hätte mit jede Menge Tests und einige Briefe an die
NVDI-Hersteller Behne & Behne erspart.
Aber da ich nun mal viel rumgetestet habe, und da ich auf die Briefe stets eine
schnelle, ausführliche und kompetente Antwort bekommen habe -- fetten Dank dafür
nochmal an die Behne-Brüder --, möchte ich Euch hier meine Erkenntnisse
mitteilen.
Wohlgemerkt: Einiges davon habe ich selbst ausgetestet. Das bedeutet, dass ich die
Testergebnisse möglicherweise falsch interpretiert habe, oder dass unter anderen
Systemkonfigurationen andere Ergebnisse auftreten könnten. Über entsprechende
Rückmeldungen Eurerseits würde ich mich also freuen.
Qualität der Ausgabe auf Bildschirm und Drucker
Prinzipiell verfügen TrueType-Fonts über mächtigere Hints als
Type1-Fonts. Das muss sich in der Praxis aber nicht unbedingt bemerkbar machen. Ich habe
beispielsweise folgende Beobachtungen machen können:
- Fonts der Firma Bitstream: Ich hatte den gleichen Font einmal als TrueType, einmal
als Type1 installiert. Auf dem Bildschirm sah die TrueType-Version deutlich besser aus. Im
Ausdruck konnte ich hingegen sogar mit der Lupe keinen Unterschied ausmachen -- egal, ob
ich in 300 oder 600 dpi gedruckt habe.
- Fonts der Firma Softmaker: Ich hatte den gleichen Font einmal als TrueType, einmal
als Type1 installiert. Auf dem Bildschirm sah die TrueType-Version einfach grauenhaft, die
Type1-Version hingegen recht erträglich aus. Auch im Ausdruck mit 300 dpi war die
Type1-Version noch überlegen; erst mit 600 dpi habe ich keinen Unterschied mehr
gesehen.
Schlussfolgerung: Die Qualität der Ausgabe auf Bildschirm und Drucker ist nur
bedingt vom Fontformat abhängig. Viel entscheidender ist, was der Hersteller aus den
Möglichkeiten eines Fontformats macht.
Aus dieser Sicht verwundert allerdings nicht, dass die Softmaker-Fonts deutlich
billiger waren als die Bitstream-Schriften. Meine Empfehlung lautet also: Wenn Euch ein
Font in beiden Formaten vorliegt (wie das bei vielen Schriften-CDs der Fall ist), lohnt es
sich durchaus, testweise beide Versionen zu installieren (aber nicht gleichzeitig, das
gibt Konflikte) und sie sich auf dem Bildschirm und im Ausdruck genau anzusehen: Nur so
könnte Ihr feststellen, welches Format in welchen Situationen besser aussieht.
Kerningpaare, afm-Dateien und NVDI.FIF
Ich gehöre zu den -- wie ich gehört habe -- wenigen NVDI-Anwendern, die
Type1-Fonts nicht erst seit der Version 5 nutzen bzw. benutzen können. Nein, ich habe
ich das bei NVDI 4 noch notwendige Type1-Modul gekauft, weil ich auch dieses Fontformat
nutzen wollte (typisch Typochonder eben).
Ihr könnt Euch mein blödes Gesicht vorstellen, als ich die ersten
Type1-Fonts installierte und keine Spur von Kerning sah: Dafür habe ich Kohle
über den Tresen wandern lassen?
Aber es war ein Fehler meinerseits. Man muss allerdings auch sagen, dass das
NVDI-Handbuch nicht gerade umfangreich ist. Es ist sozusagen eher äußerst knapp
gehalten. Glücklicherweise haben die NVDI-Autoren Behne & Behne auf meine
Anfragen ausführlich und geduldig geantwortet, so dass ich etwas Licht in die Sache
bringen konnte.
Also, wie oben zu lesen ist, sind die Kerninginformationen bei Type1-Fonts in den
afm-Dateien enthalten. An dieser Stelle ist es wichtig zu wissen, wie NVDI
vorgeht.
Nehmen wir mal an, Ihr habt einen neuen Font namens Carmina in Euren
Fontordner kopiert. (Carmina dient deshalb als Beispiel, weil ich diese Schrift gerade
heute installiert habe...) Beim nächsten Systemstart checkt NVDI die vorhandenen
Fonts: »Oh«, ruft NVDI, »da ist ja ein neuer Font! Carmina heißt er.
Gibt es denn Kerninginformationen für diese Schrift? Oh ja, da sind sie ja. Dann
schaue ich mir mal an, welche Kerningpaare denn definiert werden und speichere diese
Information in der Datei NVDI.FIF.«
(NVDI.FIF liegt übrigens im Fontverzeichnis -- aus historischen Gründen bei
Atarianern meistens C:\BTFONTS\.)
Beim nächsten Start hingegen sagt NVDI nur: »Ah, da ist ja die Carmina.
Kenn' ich schon. Die Kerninginformationen kenn' ich auch schon. Muss ich nicht mehr
genauer durchchecken.«
Okay, was folgt aus dieser Vorgehensweise? Sehen wir uns an, was der dumme Tobias
gemacht hat: Er hat Type1-Fonts installiert, allerdings nur die Fontdatei --
nicht die dazugehörige afm-Datei. Was macht NVDI? Es sagt: »Oh, da ist
ja ein neuer Font! Carmina heißt er. Leider ohne Kerningpaaare. Das merke ich
mir.« Und es sichert die NVDI.FIF.
»Hoppla«, ruft Tobias, »da habe ich doch glatt vergessen, die
zugehörige afm-Datei ebenfalls zu installieren!« Das holt er ganz schnell nach.
Aber nach dem nächsten Systemstart stellt er fest: Die Carmina wird immer noch nicht
gekernt. Was ist passiert?
Ganz einfach -- NVDI hat gesagt: »Ah, da ist ja die Carmina. Kenn' ich schon. Die
hat keine Kerningpaare. Muss ich nicht mehr genauer durchchecken.«
Die Lösung des Problems:
Man muß die NVDI.FIF löschen und das System neu starten. Nun wird NVDI
erneut alle Fonts nach Kerninginformationen durchsuchen und eine neue NVDI.FIF mit den nun
verfügbaren Informationen sichern. Das kann übrigens ein wenig dauern.
Ausgehend von meinen Tests kann ich ziemlich sicher behaupten, dass sich NVDI nicht
nur merkt, dass Kerninginformationen gefunden wurden, sondern auch welche
Kerningpaare vorliegen. Wenn man also in der afm-Datei rumgepfuscht hat, um die
Kerninginformationen zu ändern, muss man anschließend die NVDI.FIF neu aufbauen
lassen, damit die Änderungen aktiv werden können.
Mac-Type1-Fonts, MagiCMac und NVDI
Wer mittels MagiCMac ein Atari-System auf dem Mac einrichtet, kann sich freuen: Er
kann TrueType- und Type1-Fonts nicht nur (wie auf echten Ataris und Clones) in der
Windows-Darstellung, sondern auch in der Mac-Darstellung verwenden. Windows-Fonts werden
auf der Atari-Seite, Mac-Fonts auf der MacOS-Seite im »Zeichensätze«-Ordner
installiert. Das bringt ein paar Hürden mit sich. Wie man damit fertig wird, erfahrt
Ihr an dieser Stelle.
Problem Nr. 1: Die Fonts werden nicht gekernt
Wie Ihr oben lesen konntet, sind die Kerningpaare von Mac-Type1-Fonts im Resource-Fork
der Datei gespeichert. NVDI kann offensichtlich nicht auf den Resource-Fork zugreifen,
denn es benötigt die afm-Dateien, um Kerninginformationen auslesen zu können. Das kann
zu einem Problem werden: Da die meisten Mac-Programmen ja keine afm-Dateien brauchen,
werden sie bei Mac-Fonts i.d.R. auch nicht mitgeliefert. So war es bei mir, als ich ein
paar Fonts beim FontShop geordert
hatte (ist übrigens eine gute Adresse für sehr schöne, sehr professionelle
und sehr teure Fonts).
Es war aber kein Problem, die Mac-afm-Dateien nachträglich gratis zu beziehen.
Diesen Service bietet ja wohl hoffentlich jeder Fonthersteller. Wer den fraglichen Font
raubkopiert hat, guckt dann natürlich berechtigterweise in die Röhre.
Dennoch gab es ein weiteres Problem: Leider hat der FontShop vergessen, für
einen Font des Paketes die afm-Datei auf die Diskette zu kopieren (damals hatte
ich noch kein Modem). Da ich aber keine Lust hatte, extra deswegen noch einmal anzurufen
und noch ein paar Tage auf die Diskette zu warten, habe ich mir die afm-Datei selbst
zusammengebastelt: Als Grundlage dafür dienten a) eine der zugesandten
Mac-afm-Dateien; und b) die PC-afm-Datei des fraglichen Fonts (die ich auf der
FontShop-»FontFont-CD-ROM« gefunden habe).
Das ist natürlich keine ganz »saubere« Methode, und möglicherweise
sind die Kerningpaare bei diesem Font nicht ganz ideal. Aber ich habe nie etwas negatives
bemerkt, also was soll's...
Jetzt noch eine Frage an Euch dort draußen: Arbeitet jemand
auf Mac oder PC mit dem Fonteditor Fontographer? Kann ich damit die afm-Datei
eines vorhandenen Mac-Type1-Fonts erzeugen?
Problem Nr. 2: Die Fonts werden immer noch nicht gekernt
Ein weiter, wichtiger Punkt: Ganz offensichtlich müssen die afm-Dateien
(abgesehen von der Endung) den gleichen Namen haben wie die zugehörige Fontdatei. So
hieß bei mir eine Fontdatei ScalaIta, die afm-Datei aber
ScalaItalic.afm. Die Folge war, dass NVDI keine Kerninginformationen
gefunden hat. Die Lösung war also ganz einfach: Ich habe die afm-Datei in
ScalaIta.afm umbenannt; dafür gesorgt, daß die NVDI.FIF neu
aufgebaut wird -- und schon hatte ich eine sauber gekernte Scala Italic.
Problem Nr. 3: Verflucht -- IMMER NOCH KEIN KERNING!
Dann habt Ihr wohl vergessen, zwischendurch noch einmal die NVDI.FIF neu aufbauen zu
lassen. Weiter oben könnt Ihr genaueres darüber lesen.
Problem Nr. 4: Was quatscht der die ganze Zeit vom Kerning der Mac-Fonts -- ich kann
die Mac-Type1-Fonts überhaupt nicht unter MagiCMac nutzen!
Wenn die auf der Mac-Seite installierten Fonts in Atari-Programmen nicht genutzt
werden können, gibt es eigentlich nur ein paar mögliche Ursachen:
- Falsche NVDI-Version? Man braucht mind. NVDI 5. Oder aber NVDI 4 plus Type1-Modul.
- Im NVDI-Kontrollfeld »Fonts & Caches« ist der Checkbutton
»Mac-Fonts« nicht aktiviert. Lösung: Button aktivieren, Einstellungen
sichern, MagiCMac neu starten.
- Die Fonts liegen auf der Mac-Seite nicht da, wo NVDI sie sucht: Sie müssen
direkt im »Zeichensätze«-Ordner, der wiederum im Systemordner liegt,
abgelegt sein. Die Fonts werden nicht geladen, wenn sie in einem Unterverzeichnis des
»Zeichensätze«-Ordners liegen.
Die Fonts werden nicht geladen, wenn sie ein Tool wie der Adobe Type Manager in
irgendeinen anderen Ordner gelegt hat.
- Ihr benutzt ein Programm, dass NVDI-Fonts überhaupt nicht oder nur
fehlerhaft unterstützt. Aber so'n Schrott benutzt hoffentlich keiner mehr...
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